TROOPER 1. Staffel
Trooper CT-6490 „Shil“ legte seinen DC-15S Blasterkarabiner an. Natürlich war es nur ein Trainingsblaster, was sich da sanft und tödlich in seine Hände schmiegte. Das Gefühl der Waffe war ihm so vertraut wie jedes Teil seines Körpers, denn seit er 5 Standartjahre alt war, besaß er diesen Blaster und übte sich jeden Tag im Gebrauch damit. Mittlerweile war er der Beste seines Trupps, der aus vier weiteren Klonkadetten bestand. Seit neun Jahren lebte er schon auf Kamino, und seit er denken konnte übte er dafür ein guter Soldat zu sein. Das war nicht immer leicht, aber es war sein Leben. Das es anders sein könnte, konnte er sich nicht vorstellen. Er war einer von vielen Klonen des Kopfgeldjägers Jango Fett, die auf dem Klonplaneten Kamino geboren und aufgewachsen waren. So war es und so sollte es sein.
Shils rechter Zeigefinger legte sich um den Abzug, und er drückte ab. Ein blauer Plasmastrahl zischte aus dem Lauf und versengte die Luft. Bis er auf sein Ziel traf – einen Kommandodroiden, der sich hinter einer Blasterkanone duckte und die fünf Kadetten beschoss. Innerhalb weniger Sekunden hatte Shil entschieden ihn unschädlich zu machen und hatte abgedrückt. Die zähflüssig laufende Zeit während eines Schusses wandelte sich abrubt in die Realität. In einer Vorwärtsrolle wich er dem Laserhagel einer Blasterkanone aus und schoss seinerseits auf den Droiden. Der Kommandodroide fiel kopfüber aus dem Turm.
Der Zitadellen-Test war für Fortgeschrittene. Shil sah sich kurz um. Cid und Sergeant Kiro fertigten gerade fünf Superkampfdroiden ab, Rinder und Leyc duckten sich hinter einer der beweglichen Deckungen und kamen abwechselnd hervor, um die automatischen Kanonen abzuschießen. Plötzlich fuhr der Deckungsquader wieder nach unten und ließ die beiden Trooper schutzlos zurück. Rinder und Leyc reagierten rasch und rannten geduckt zur nächsten Deckung. Besorgt überlegte Shil wie der nächste Schritt aussehen könnte, während er hintereinander einer Sechserformation gewöhnlicher B1-Kampfdroiden die Köpfe wegblies. Über Comlink meldete sich der Sergeant.
„Die Formation bricht auseinander!“ warnte er. “Sammelt euch dort hinter der Deckung!“
Shil warf einen Blick auf die Stelle auf die Kiro deutete. Es war eine erhöhte Stellung unter einem Turm. Die Schützen, die normalerweise von dort oben feuerten, waren längst Schrott. Ununterbrochen feuernd arbeitete sich Shil vorwärts, immer darauf bedacht nicht in die Schussbahn zu geraten. Über einen Zugang hinter der Kurve strömten ständig neue Droiden auf das Schlachtfeld. Shil stand der Schweiß auf der Stirn, so viele Gegner waren es noch nie gewesen. Ein Schuss zischte knapp an seinem Helm vorbei und hinterließ einen schwarzen Streifen. Er verlor das Gleichgewicht und fiel.Gerade noch konnte er sich abrollen, dann hastete er die Ansteigung hoch und ließ sich hinter die Deckung fallen. Leise keuchend spähte er über den Rand des Blocks. Die Anlage des Zitadellentests war winkelmesserförmig. Die Trupps wurden mithilfe einer Turboplattform in die Anlage gebracht. Eine ca.10m breite und 60m lange „Schlucht“ galt es zu durchqueren. Rechts und links befanden sich Türme mit Laserkanonen, die von Droiden bedient wurden. Die Bodenplatten konnten hoch gefahren werden und so Deckung bieten. An den Wänden sorgten automatische Kanonen für zusätzlichen Ärger und von hinten rückten immer wieder Kampfdroiden an. Hinter der Kurve nach rechts bot sich nämlich ein sehr ähnlicher Anblick, nur endete die „Schlucht“ vor der Zitadelle, einem hoch aufragenden Gebäude auf dessen Spitze das Ziel war. Hinter zahlreichen Wällen standen weitere Droiden und automatische Kanonen waren ebenfalls installiert.
Shil hatte den Zitadellentest in den einfacheren Versionen schon mehrmals durchgekämpft, doch niemals waren so viele Droiden da gewesen. Unheilsahnend hob er den Blick zum Aussichtsbalkon – und erstarrte. Ganz sicher standen der Kaminoaner, der Mandalorianer und der ARC-Trooper nicht rein zufällig da oben...
Shil deutete auf die drei Zuschauer.
„Sarge!“ zischte er. „Was wollen die hier? Ist doch nur ein Trainingsdurchlauf, oder?“
Kiro warf zwischen zwei Schüssen einen Blick auf die Balustrade – und hinter dem Glasvisor weiteten sich seine Augen.
„Du hat recht, Shil.“ meinte er leise. „Das ist nicht bloß Routine heute. Es ist eine Prüfung. Machen wir unsere Sache also gut!“
Shil hörte mit einem Ohr, wie Kiro die Neuigkeit über die Helmcomlinks weitergab und wandte sich einem Trio Superkampfdroiden zu. Er plättete sie der Reihe nach, erst der rechte, dann der mittlere und schließlich den linken. Heiße Plasmastreifen brannten sich in den schweren Brustpanzer ein, erst einmal dann zwei-, dreimal. Schließlich taumelte der Droide, gab seine ungeschützte Achselhöhle preis und Blasterfeuer zerfetzte Schaltkreise und Kabel, bis die Blechbüchse in sich zusammensackte. So vernichtete CT-6490 auch die anderen zwei Kolosse.
Mit einigen gezielten Schüssen verarbeiteten Cid und Leyc eine B-1er Formation zu Schrott, während Rinder sich um die automatischen laserspuckenden Kanonen hinter der Kurve kümmerte. Endlich hatten sie alle anrückenden Droiden ausgelöscht und konnten um die Kurve vorrücken. Von Deckung zu Deckung hastend blieben sie auf dem etwas erhöhten Streifen des Übungsplatzes. Die wenigen Droiden, die hier noch verteidigten waren bald ausgeschaltet. Shil warf einen Blick auf die Laserkanonen die immer noch Blasterfeuer versprühten. Von ihren Deckung vor der Kurve hatten sie die nicht erwischen können, aber jetzt nahmen die fünf Klonbrüder sie unter Beschuss. Während die anderen noch auf jene Kanonen schossen zielte Shil auf den Kommandodroiden hinter der Deckung der Turmbrüstung und drückte ab. Der erste Schuss traf nicht, sondern ging knapp neben dem Brustkorb des Droiden vorbei. Nun war die Blechbüchse aber gewarnt und die Schnelligkeit dieser Droiden war berühmt. Zwar hieß es die Handelsföderation teste sie noch, aber trotzdem mussten die Klone schon mal an nachgebauten Modellen üben. Als könne er Shils Gedanken sehen sprang der Droide mal nach rechts, mal nach links und wich immer wieder dem Plasmastrahl des DC-15ers aus. Jetzt schoss er aber auch seinerseits auf Shil, sodass dieser hinter seine Deckung zurückweichen musste. Neben ihm tauchte plötzlich Cid auf und die beiden wechselten einen Blick. Wie auf ein stummes Kommando sprangen sie auf und nahmen den Kommandodroiden ins Kreuzfeuer. Mit mehreren seiner Gliedmaßen stürzte der Schrotthaufen schließlich über die Brüstung.
Vor ihnen ragte die Zitadelle auf und hinter einer niedrigen Wand standen nicht weniger als zehn Kommandodroiden.
„Nehmt immer einen ins Kreuzfeuer, bis alle ausgeschaltet sind!“ befahl der Sergeant.
Shil deutete auf den ganz außen rechts. „Den zuerst!“
Gleichzeitig eröffneten alle fünf das Feuer und der Erste der Wachen fiel im Hagel der blauen Plasmaladungen. Weiße Blitze zuckten über seinen Metallkörper – Kurzschluss. Später konnte er wieder einfach repariert und dann erneut eingesetzt werden. Es dauerte einen Moment bis alle Droiden ausgeschaltet waren und auch die Kanonen an der Wand bewegungslos herunterhingen. Sofort liefen die fünf Kadetten zum Außenwall der Zitadelle. Mit ihren Kletterhaken ließen sie sich in den Innenhof ziehen und von dort aus ging es üblicherweise hoch auf das Dach, wo das Ziel war. Nur – das war leider nicht möglich, denn dort, wo sie den Kletterhaken hinschießen wollten, war ein energetisches Feld.
„Was nun?“ fragte Cid ratlos.
„Ich glaube, ich habe da so eine Idee…“ meinte Rinder leise.
Rinder deutete auf eine Stelle der grauen Durabetonwand der Zitadelle.
„Das ist die Lösung.“ meinte er und trat auf die Wand zu. Aus einem Fach in seinem Gürtel zog er einen Fusionsschweißer hervor und klopfte das Stück mit dem etwas dunkleren Grau prüfend ab. Schließlich war er zufrieden und schnitt eine quadratförmige Platte aus der Wand. Beeindruckt betrachtete Shil die Schalttafel, die zum Vorschein gekommen war. Das war eben Rinders Spezialität – ständig bastelte er an irgendwas herum, baute es auseinander und wieder zusammen. Er würde fast besser zu den Klon-Techs – den Technikern der Klonarmee – passen als zu den regulären Truppen. Aber er war als ein solcher aus dem Reagenzglas gekommen und würde auch als solcher sterben. Jetzt trat Rinder einen Schritt zurück und überließ Leyc den Rest.
Geschickt machte der Hacker sich daran, die Codes zu knacken, und normalerweise gelang ihm das rasch. Doch heute verzog er angestrengt das Gesicht und tippte eilig verschiedene Zahlen – und Zeichenkolonnen ein.
Schließlich drehte er sich zu seinen Brüdern um.
„So komplizierte Sicherheitssysteme habe ich noch nie gesehen.“ erklärte er. „Ist doch komisch, oder? So viele Blechbüchsen, Codes, schwieriger als je zuvor und hoher Besuch auf der Aussichtsplattform? Ich frage mich, was das bedeutet…“
„Denk nicht so viel. Das lenkt ab.“ brummte Kiro. „Öffne lieber die Tür.“
„Und dass man in die Zitadelle reinmuss, gab es auch noch nie.“ fuhr Rinder unbeirrt fort.
„CT-6488, öffne den Durchgang damit Trupp Phorax-2b mit dem Zitadellentest fortfahren kann!“ befahl Kiro und etwas warnendes lag in seiner Stimme.
„Ja, Sir.“ Für einen Klon kam es nicht infrage den direkten Befehl eines Ranghöheren zu missachten.
Innerhalb von zehn Minuten durchdrang Leyc die restlichen Schutzprogramme.
„Hab’s!“ rief er, und die in der Wand verborgene Tür gab zischend das Innere der Zitadelle frei. Sofort sahen sie das Metallmonster. Der Droideka drehte sich um und eröffnete das Feuer aus seinen beiden Blastern. Shil rollte sich unter dem Laserhagel durch und lugte um den Türrahmen. Der Zerstörerdroide hatte seinen Schutzschild ausgefahren und krabbelte langsam mit den dünnen Durastahlbeinen auf die Tür zu.
„Wenn der uns erreicht sind wir erledigt.“ bemerkte Leyc.
„Wohl war.“ Knurrte Kiro. „Cid, ich glaube, der Zeitpunkt könnte passender nicht sein!“
Der Bombenexperte nickte und setzte schwungvoll seinen Rucksack ab. Er holte zwei Granaten hervor und warf Shil und Kiro je eine zu. Auch Rinder und Leyc bekamen zwei, er selbst nahm auch eine EMP-Granate.
„Alle auf einmal!“ wies Cid seine Brüder an. „Sonst kriegen wir den Schild nicht klein!“
Shil nickte stumm und versuchte eine bessere Wurfposition zu finden.
„Eins, zwei, drei – JETZT!“ brüllte Cid und ließ seine EMP-Granate über den Boden rollen. Gleichzeitig warfen auch die anderen vier ihre Granaten und in einem Blitzmeer taumelte die Blechbüchse und der Schild erlosch.
Sofort stürmte der Trupp den Raum und eröffnete das Feuer auf den Droiden, bis dieser sich nicht mehr rührte und schwelend zusammensackte.
„Geschafft!“ grinste Cid erleichtert.
„Ja, den hier haben wir erledigt. Aber mit Sicherheit warten da noch mehr. Vielleicht hätten wir doch nicht alle Granaten verwenden sollen…“
Der Raum, in dem sie sich befanden war einer Eingangshalle nachempfunden. Er war völlig leer, bis auf die rauchenden und gelegentlich Blitze sprühenden Überreste des Droidekas.
Nachdenklich betrachtete Shil den Schrotthaufen.
„Wie viele Granaten haben wir noch?“ fragte er Cid.
Der zuckte bedauernd mit den Schultern. „Nur noch drei. Aber wir haben sie gut eingesetzt, denn vielleicht hätten wir es sonst nicht geschafft.“
Kiro nickte. „Er hat recht, Shil. Lasst uns schauen, wie es jetzt weitergeht.“
Die fünf Kadetten traten vorsichtig auf die einzige Tür des Raumes zu. Leyc ließ sich neben der Schalttafel nieder und tippte den Sicherheitscode ein. Hinter der Tür kam ein Turbolift zum Vorschein und ein sechsköpfiger Trupp Kampfdroiden. Shil war fast erleichtert wieder die klapprigen B-1er abfertigen zu können. Mit einzelnen gezielten Schüssen blies er den ersten zwei Droiden die Köpfe weg. Die anderen fielen im Dauerfeuer von Shils Klonbrüdern. Auf ein Nicken von Kiro betraten alle fünf die Liftkabine. Ruhig, diszipliniert, effizient – wie ein Klon zu sein hatte. Als der Turbolift ruckend zum Stehen kam, hatten bereits alle ihre Deezes erhoben. Sobald die Tür aufzischte eröffnete Shil das Feuer und analysierte rasch die Begebenheiten. In einem unregelmäßig geformten Raum war ein Kommandozentrum nachgestellt. Droiden standen vor leuchtenden Anzeigetafeln und andere patrouillierten im Raum. Die Ersten fünf Blechbüchsen waren schon erledigt. Der junge Kadett rammte einem unbewaffneten Droiden das gepanzerte Knie zwischen die Beine, kickte ihn beiseite und nahm den nächsten unter Beschuss. Im Raum verteilt gingen seine Brüder ähnlich vor: Sie fertigten einen Droiden vor einer der Kontrolltafeln ab und schossen aus der Deckung alle nieder, die ihnen in die Schussbahn kamen. Binnen weniger Minuten regte sich kein Droide mehr.
„Ich schätze wir sind direkt unterhalb des Ziels.“ meinte Cid.
Der Sergeant nickte. „Leyc, kriegst du die Tür da vorne auf?“
„Kein Problem.“
Der Klon trat zu der Schalttafel der Sicherheitstür und hackte sich wieder ins System ein, um die Codes zu knacken. Schließlich surrte die Tür auf und gab den Blick auf die Trainingshalle frei. Shil betrat die Plattform und folgte Kiro die Treppe hoch. Dort stand die Siegessfackel, die noch rot glühte. Kiro packte die Stange und streckte sie triumphierend in die Luft. Sofort leuchtete die Fackel grün auf und über die Lautsprecher verkündete eine sanfte wohlklingende Frauenstimme: „Herzlichen Glückwunsch – Sie haben den Zitadellentest bestanden!“
Eine Holobrücke fuhr vor ihnen aus und sie liefen darüber zu den drei Zuschauern. Mit verschränkten Armen starrte der Mandalorianer die Kadetten an, Shil fühlte es, auch wenn der schwarze T-Visor ihn vom Gesicht des Kriegers trennte. Auch der ARC beobachtete sie genau, während der Kaminoaner sie weniger wie ein Trupp guter Kämpfer als eine den Standards entsprechende Ware musterte. Was sie ja auch letztendlich waren…
„Trupp Phorax-2b.“ hob der Mandalorianer an. „Ihr habt euch sehr gut bei der schwierigsten Zitadellenprüfung geschlagen und habt es verdient das letzte halbe Jahr eures Trainings eine Spezialausbildung zu genießen. Ihr werdet hiermit in das 397. Elitebataillon befördert!“
Shil bewahrte seinen gleichgültigen Gesichtsausdruck wie er es gelernt hatte. War das eine Probe?
„Danke, Sir.“ Sagte Kiro steif und salutierte. „Erbitte Informationen.“
„Natürlich, Trooper.“ erwiderte der mandalorianische Krieger. „Sie haben übrigens die Berechtigung für diese Bezeichnung. Ihre Grundausbildung ist abgeschlossen, nun werden Sie eine Spezialausbildung genießen. ARC-Seargent Devil erklärt Ihnen nun alles weitere. Ich erwarte Sie morgen früh zum Training.“
Der Mandalorianer und der Kaminoaner verließen die Aussichtsplattform. Der ARC musterte sie eingehend.
„Es wurde beschlossen die besten Trupps der verschiedenen Einheiten in einer Elitelegion zusammenzufassen.“ begann Seargent Devil. „In der 397. Elitelegion gibt es vier Bataillone, die nach den gefährlichsten Tieren der Galaxis benannt wurden: Dem Strill, dem Akk, dem Kraytdrachen und dem Acklay. Jedes Bataillon zählt 490 Trooper, jeweils die besten der regulären und speziellen Truppen. ARFs, Scharfschützen, Schwere Truppen, ARCs, Flammenwerfertrooper, Shadowtrooper, Techniker, Piloten, Bombentrooper, Jettrooper und natürlich reguläre Soldaten haben jetzt ein halbes Jahr gemeinsam ihre Ausbildung zu vollenden. Dann werden sie in der Klonarmee die komplizierten Aufgaben erledigen – Guerillas rekrutieren, spezielle Großeinsätze entweder allein oder mit Unterstützung, Missionen, die nicht misslingen dürfen. Deshalb sind nur die besten in der 397. Elitelegion. Ihr seid dem 6. Trupp des Akk-Bataillons zugeteilt, eure bisherige Bezeichnung Phorax-2b ist ungültig. Die 150 regulären Truppen sind aber nur ein Teil des Bataillons. Reguläre wie Spezial-einheitenwerden Seite an Seite kämpfen. Wir alle müssen jetzt lernen zusammenzuarbeiten und auf dem Schlachtfeld die Republik verteidigen.“
„Sir, sind Sie auch im Akk-Bataillon?“ fragte Rinder neugierig.
„Ich diene im Zeta-Squad und bin einer von fünf ARCs im Bataillon.“ entgegnete ARC-Sergeant Devil knapp. „Morgen um 0800 werdet ihr in Halle 205 erwartet. Dort lernt ihr die anderen Trooper eures Bataillons kennen und werdet das erste Mal mit uns trainieren.“
Synchron nahmen die fünf Trooper Haltung an und salutierten.
„Ja, Sir!“
Der ARC nickte und verließ den Aussichtspunkt. Die nunmehr zu Troopern aufgestiegenen Klone formierten sich, Kiro an der Spitze und marschierten zurück zu ihren Schlafplätzen.
Die Klonsoldaten schliefen in grauen Röhren, die man aus der Wand fahren konnte. Darunter befanden sich Bänke und ihre Schrank. Nachdem Shil jede einzelne der zwanzig Panzerplatten überprüft und gereinigt hatte, verstaute er sie fein säuberlich gestapelt in seinem Schrank. Dann nahm er sich seinen Trainingsblaster vor und ging die Checkliste durch, die er schon vor langer Zeit verinnerlicht hatte. Erst danach duschte er und kleidete sich frisch ein – blaue Hose, rote Tunika, die Standardkleidung. Dann genossen sie in der Kantine ihre einzige warme Mahlzeit und legten sich mit gefüllten Bäuchen und voller Erwartung, was der nächste Tag wohl bringen mag, in ihre Schlafröhren.
Shil schlug die Augen auf und ging die Ereignisse des Vortages durch. Sein Trupp hatte die schwierigste Stufe der Zitadellenprüfung gemeistert. ARC-Sergeant Devil hatte ihnen erklärt, dass sie nun vollwertige Trooper und ab sofort Angehörige des Akk-Bataillons seien. Halle 205, 0800, heute morgen war das erste gemeinsame Training. Shil rieb sich die Augen und warf einen Blick auf sein Chrono – 0730 schon. Gähnend drückte er den Knopf an der Röhrenwand. Zischend surrte die Röhre aus der Wand und er schwang die Beine aus dem Bett. Dann gab er sich einen Ruck und hängte sich an die Leiter neben den Röhren. Sein Schlafplatz fuhr zurück in die Wand, während er hinunter kletterte. Unten suchte Rinder bereits seine Panzerplatten zusammen. Shil knuffte seinen Bruder freundlich in die Seite und ließ sich auf die Bank fallen. Dabei stieß er versehentlich einen Stapel Rüstungsteile an, die klappernd zu Boden fielen. Rinder schnalzte missbilligend mit der Zunge.
„Noch müde?“ fragte er und sammelte die Armplatten wieder auf.
Shil nickte gähnend und streckte sich.
„Hmm, du solltest fit sein, ich habe gehört, dieser Mandalorianer macht ein hartes Training. Er heißt Walon Vau und mit ihm ist nicht zu spaßen.“ Nachdenklich musterte Rinder seinen Bruder. „Nach dem Frühstück mache ich mit dir einen Extralauf, damit du richtig wach wirst.“
Kiro, Cid und Leyc kletterten die Leiter herunter.
„Hey, du siehst müde aus Shil, konntest du nicht schlafen?“ wolllte Cid wissen. Er legte dabei leicht den Knopf schräg, wie er es so oft tat.
Shil runzelte gereizt die Stirn. „Ja, das hat Rinder auch schon bemerkt.“
Bevor er fortfahren konnte mischte Kiro sich ein.
„Kommt Jungs! Frühstücken gehen.“ rief er und wandte sich um. Gehorsam trotteten die anderen vier Trooper hinter ihm her. Sie waren sehr schweigsam, aber nichtsdestotrotz voll einsatzbereit. Jeder von ihnen war fähig 24 Stunden in voller Montur zu marschieren und anschließend zu kämpfen.
Die Kaminoaner schienen zu der Ansicht gekommen zu sein, dass Perfektion un beschleunigtes Wachstum auch anständige Mahlzeiten verlangen würden. Daher bot die Kantine auch morgens Brot und Eier, die von den Klonen immer rasch verschlungen wurden. Scheinbar mussten die Klonsoldaten soviel essen, wie sie essen würden wenn sie normal schnell aufwachsen würden. Trotzdem war es immer relativ leise beim Frühstück.
Nach dem Frühstück mussten sie sich die Tagesration abholen. So sie steuerten auf die Nahrungsausgabe zu und holten sich die Tagesration Energysticks und Wasser ab. Sie klemmten sich die weißen Flaschen an die weißen Gürtel und stopften die Sticks in kleine Taschen.
„Alles klar“
Auch seine Brüder waren bereit und so zogen sie gemeinsam los.
„Hier müsste es sein!“ verkündete Kiro und trat zu einem hohen Tor. „Ja…205!“
Cid drückte den roten Knopf neben der Tür und der Durchgang öffnete sich. Die Halle war voller Klonsoldaten.
„Die Besten der Besten!“ flüsterte Leyc ehrfürchtig.
Langsam betraten Shil und seine Brüder die Halle. Ihm fiel sofort auf, dass fast alle Trooper die weißen Soldaten-rüstungen trugen und nicht die Kadettenuniform.
„Verdammt!“ fluchte Kiro. „Daran hätte ich denken sollen…“
Ein Klon schritt auf sie zu und starrte sie mit unverhohlener Verachtung an. Seine Rüstung wies ihn als Captain aus.
„Ich bin CC-5830.“ sagte er mit tonloser und durch und durch korrekter Stimme. „Und ich schätze, dass Sie fünf keine verlaufenen Kadetten sind. Da ich ab sofort für die Regulären Truppen zuständig bin möchte ich jetzt eine Erklärung hören!“
„Sir, ich bin CS-6486.“ antwortete Kiro und nahm Haltung an. „Verzeihung Sir, doch uns wurde noch nicht mitgeteilt, dass wir uns Trooperrüstungen besorgen sollten. Das werden wir unverzüglich nachholen!“
„Das will ich hoffen!“ knurrte CC-5830. „Leider seid ihr nicht die einzigen ohne korrekte Rüstung. Wer unzuverlässig ist, hat Strafen und die Versetzung zu fürchten. Macht mich nicht lächerlich, denn dann macht ihr das ganze Bataillon lächerlich. Und dann seid ihr keine Elitetrooper mehr! Also seht euch vor, ihr seid gewarnt.“ Er stapfte davon und verschwand in der Menge. Dabei brummelte er: „Erbärmlich!“
Cid starrte ihm nach. „Was war das denn?“
„Vorsicht, Bruder.“ riet Shil. „Mit diesem Captain ist nicht zu spaßen. Leg dich nicht mit ihm an, vergiss nicht, er ist der zuständige Offizier der Regulären Truppen. In der Rangfolge steht hinter ihm nur noch der Commander.“
Kiro nickte. „Wohl war, Shil. Mich würde nun aber interessieren, wer die anderen Offiziere sind.“
„Ich glaube, deine Frage beantwortet sich gerade selber.“ bemerkte Leyc.
Ein Lieutenant trat zu ihnen. „CL-5392.“ stellte er sich vor. „Aber ich bevorzuge es wenn ihr mich Cox nennen würdet. Ich habe gesehen, dass ihr schon mit Captain Zero Bekanntschaft gemacht habt. Lasst euch von dem nicht fertig machen. Seit Shoro tot ist, ist er so drauf.“ Er zuckte mit den Achseln. „Hat’s halt nie verwunden. Und ich geb euch einen Tipp: Nennt ihn niemals Zero. Das wäre besser.“
„Danke Sir.“ entgegnete Kiro mit dem Anflug eines Lächelns. „Wir werden Ihre Ratschläge beherzigen.“
„Gut. Dann gebe ich euch jetzt eine kleine Einführung. Die 397. Elitelegion ist nicht umsonst eine Zusammenfassung der Besten. Im Ernstfall wird erwartet, dass die Verluste sich auf niedrigste Zahlen, das heißt unter zehn Troopern, beschränken. Da wir nur 490 Mann sind, müssen wir lernen zusammenzuarbeiten und zu improvisieren. Deswegen ist unser Spezialtraining auch ebenso hart wie beispielsweise das der ARCs oder der Republic Commandos. Spezielle Ausbildungs-Sergeants werden uns gnadenloser und widerstandsfähiger machen, als die meisten anderen unserer Klon-Brüder. Das wird uns ausmachen.“ Chayss sah jedem nachdrücklich ins Gesicht. „Und jetzt werden Sergeant Vau und Sergeant Bralor unser Training beginnen.“
Sie wandten sich zu einer Tribüne in der Mitte des Saales und sahen gerade noch wie zwei Mandalorianer darauf stiegen. Einer von ihnen nahm den Helm ab. Ein langer brauner Zopf kam darunter zum Vorschein und wogte über die Schulter der Kriegerin.
„Bralor ist eine Frau?“ Ungläubig schüttelte Leyc den Kopf.
„Scheint so.“ meinte Kiro. „Aber wir sollten uns jetzt einreihen.“
„Jedenfalls können wir den Extralauf vergessen.“ Bemerkte Rinder bedauernd. Shil nickte, aber seine Müdigkeit war bereits verflogen.
Es dauerte knapp zwei Minuten, bis alle Trooper sich nach Rang und Zugehörigkeit aufgestellt hatten und aufmerksam zu Bralor und Vau emporblickten.
Die beiden Krieger musterten die Trooper, die in ordentlichen Reihen bewegungslos auf Anweisungen warteten. Schließlich ergriff Walon Vau das Wort.
„Trooper der 397. Legion.“ Seine Stimme klang durch den Helm droidenhaft. „Ihr seid hier, um zu den härtesten Soldaten der Klonarmee zu werden. Wenn von euch sich als Versager erweist wird er sofort wieder zu den gewöhnlichen Truppen abkommandiert. Ich erwarte nicht, dass jeder von euch meinen Anforderungen gerecht wird. Und jetzt findet euch mit eurem jeweiligem Trupp an eurem Trainingsplatz ein.“
Auf einer riesigen Holotafel erschienen die Anweisungen für die Trooper.
„Die zweite Kompanie der Regulären Truppen hat heute Nahkampf-Training.“ verkündete Kiro nach einem Blick darauf.
So trotteten die fünf los um Halle 204 aufzusuchen, die für das Training der 2. Kompanie vorgesehen war.
7 Trupps – also 70 Trooper und 7 Sergeants – und Lieutenant Cox hatten hier also ihre Spezial-Ausbildung zu absolvieren. Die Halle war ovalförmig, mit einer Außenbahn für Läufe und einer Zielschussanlage. Der Boden bestand aus grauem Durabeton und es war ganz sicher sehr schmerzhaft, wenn man darauf fiel. Ihr heutiger Trainer war ein Trandoshaner namens Gah’rof und er war groß und kräftig. Das Training hatte noch nicht begonnen und so machten sie sich daran, die anderen sechs Trooper ihres Trupps zu finden. In strahlend weißen Rüstungen kamen sechs Trooper auf sie zu marschiert.
„Sir, ich nehme an Sie sind Sergeant Kiro?“ Der Trooper salutierte. Es verwunderte Shil, dass er sofort Kiros Namen ausgesprochen hatte.
„Das bin ich.“ nickte Kiro. „Und ihr, Brüder?“
„Ich bin Crack und das ist mein Bruder Cliff. Wir sind vom Gamma-4m Trupp.“
„Wir sind vom Epsilon-7r.“ erklärte einer der anderen vier Trooper. „ Ich heiße Losh. Und das sind – ”
„Ich bin Mork!“
„- und Wonner.“ schloss der Letzte der vier.
Der neue Trupp begrüßte sich mit freundlichem Händeschütteln und Schulterklopfen.
„Alles klar.“ meinte Kiro schließlich. „Lasst uns jetzt warm machen gehen!“
Als erstes dehnten sie alle Muskeln mit Liegestützen, Kniebeugen und anderen Übungen, dann rannten sie 6 400 Meter Runden und vollendeten die erste Trainingsstunde mit einem kleinen Sprintwettbewerb.
Leicht außer Atem verzehrten sie ihre ersten Energysticks und tranken ihr Wasser aus. An den Hähnen im Saal befüllten sie ihre Flaschen neu.
Schließlich betrat der angekündigte Trando die Halle. Gah’rof sah in Echt noch viel furchteinflößender aus, als auf dem Datapad aus. Er schaute in die Runde und musterte jeden der erwartungsvoll gespannten Trooper.
Dann sagte er: „Ich möchte eure Fähigkeiten tessssten. Du da, zsseig mir, wasss du kannssst!“
Und er deutete auf Shil...
Trooper 9
Shil trat vor und verbeugte sich knapp, der Trando tat es ihm gleich. Wie zwei Akks begannen sie sich zu umkreisen und belauerten den Gegner. Urplötzlich sprang der Trando vor und schnappte mit seinen langen Zähnen nach Shils Arm. Shil senkte den Arm ein Stückchen und schlug dann in einem kraftvollen Aufwärtshaken zu. Wie er es vorausgesehen hatte, unterschätzte Gah'rof ihn. Die gepanzerte Faust traf ihn an der Kehle und schleuderte seinen Kopf nach hinten. Doch fast gleichzeitig spürte Shil wie die spitzen Klauen des Trando unter seinen Helm drangen und ihm diesen vom Kopf rissen. Gah'rof hob ihn mit einer Hand hoch und wirbelte ihn im Kreis, während die Hand die Kehle des Troopers unnachgiebig zudrückte. Shil japste nach Luft und versuchte sichaus dem eisernen Griff zu befreien. Der bringt mich um! schoss es ihm durch den Kopf. Ein uralter Überlebensinstinkt wurde in ihm geweckt und gab ihm neue Kraft. Seine Knie schossen vor und er rammte sie mit aller Kraft die er aufbringen konnte in Gah'rofs Bauch. Mit einem Ohr hörte er den Trando aufstöhnen, doch die Hand um seinen Hals lockerte sich nicht eine Sekunde.
Langsam ging ihm die Luft aus und er wusste, dass ihm jetzt schnell etwas einfallen musste. Er reckte den Kopf und versenkte seine Zähne in Gah'rofs Hand. Der Trando brüllte schmerzerfüllt auf und schleuderte den Trooper durch die Halle. Shil kam hart auf und schlug mit dem Kopf auf den Durabetonboden. Sterne blitzten vor seinen Augen und er blieb wie betäubt liegen. Als er versuchte sich wieder aufzurappeln spürte er etwas Spitzes an seinem Hals. Er schlug die Augen auf und starrte in Gah'rofs gelbe Augen. Der Fuß des Trandos ruhte auf seiner Brust und sieben swchwarze Krallen kitzelten Shils Kehle.
„Ich ergebe mich!" keuchte Shil. Unverwandt starrten ihn die gelben Augen an. Schließlich trat der Trando zurück und streckte die Hand aus.
„Du hasssst gut gekämpft!" zischelte Gah'rof. „Wie lautet dein Name?"
„Ich bin CC-6490, Sir."
„Nicht deine Nummer, Klon!" fauchte der Trando. „Ich habe nach deinem Namen gefragt!"
„Shil, Sir."
„Ssschon besssser...Ich denke, ich habe euch untersssschätzssst, Klone." Gah'rof musterte die Trooper. „Ihr habt wohl tatssssächlich Jangosss Blut in euren Adern. Nun, Sssshil, sssteh auf!" In einem leicht spöttisches Grinsen verzog er den Mund.
Shil packte die Hand, die ihm angeboten wurde und zog sich hoch. Leicht humpelnd kehrte er zu seiner Gruppe zurück. Im Vorbeigehen klopfte Kiro ihm auf die Schulter. Dann wandten alle Trooper sich wieder ihrem Trainer zu und lauschten seinen Worten.
Trooper 10
Das Training der Elitetrooper des Akk-Bataillon war tatsächlich brutaler als Shil es erwartet hatte. Täglich acht Stunden und jede Woche auch einmal sechzehn Stunden verbrachte er in Halle 204. Trainingsläufe folgten auf Schussübungen, Nahkampf, Klettern, Überlebenstraining und Waffenkunde. Daneben absolvierten alle Trooper Flash-Ausbildungen für Piloten und Sanitäter. Innerhalb eines halben Jahres hatte Shil sich vom jungen ehrgeizigen Soldaten der Republik zu einem harten Trooper entwickelt. Er hatte seine Muskeln und sein Durchhaltungsvermögen gestärkt und mit seinem Können als Schütze war er zum Besten des Trupps geworden. Daher hatte er auch eine Einführung in die Kunst der Scharfschützen und die Berechtigung ein DC-15x Scharfschützengewehr zu nutzen erhalten.
Er starrte durch die Dunkelheit auf die Decke seiner Schlafröhre und dachte über die letzten sechs Monate nach. Vorletzte Woche hatte Cox ihnen erzählt, dass der berühmte Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi in Tipoca City gewesen wäre. Der Konflikt der Republik und der KUS drohte zu eskalieren.
Wie passend, dass dann gleich eine Armee bereitsteht dachte Shil, Gerade fertig ausgebildet und aus den besten Kriegern der Galaxis. Schon ein glücklicher Zufall!
Aber er war nur ein Trooper und hatte sich um seine Gegner und nicht um Politik oder derartiges zu kümmern. Er sollte sich lieber auf die Trainingsstunden konzentrieren, doch die Abschlussprüfungen hatte er bereits geschafft. Zum ersten Mal hatte er es geschafft, Gah'rof zu besiegen und auch die anderen Prüfungen hatten er und der 6. Reguläre Trupp erfolgreich bestanden.
Und dann war gestern Jedi-Großmeister Yoda eingetroffen und hatte als ersten Befehl über die Große Armee der Republik angeordnet, dass gleich morgen ein großer Teil der Truppen die erste richtige Mission ihres Lebens bestreiten sollten. Die 397. gehörte ebenfalls dazu. Schon morgen würde Shil Kamino verlassen und die Realität betreten. Und dort erwarteten ihn Krieg und Verderben und Tod...